Praxistipp! Die erste Reitstunde – was ist bei der Auswahl der richtigen Reitbekleidung zu beachten?

Hilfe der Misthaufen geht über! Wohin mit dem Pferdemist?
6. März 2018
Viele junge Mädchen und auch Jungen träumen davon einmal Pferdeluft zu schnuppern und reiten zu lernen! Ist dann die erste Reitstunde gebucht, stellt sich für die Eltern die Frage, welche Grundausrüstung die Kinder benötigen, damit sich die Kinder wohlfühlen und vor allem möglichst sicher am Pferd sitzen! Birgit Köck, Juniorchefin des Isländerhofes Köck, dreifache Mutter, Volksschullehrerin, FENA Islandpferde-Übungsleiterin, Land- und Fortwirtschaftsmeisterin, ausgebildete Reitpädagogin, begeistertere Islandpferdehalterin- und züchterin und erfolgreiche Pferdesportlerin, gibt uns Tipps aus der Praxis für die richtige Auswahl der Reitbekleidung!
Die erste Reitstunde
Man sollt nicht gleich schon am Anfang dem Kind alles kaufen, vor allem weil die Reitausrüstung meist nicht billig ist. Zuerst wollen wir ja wissen, ob der Sport und die Freizeitbeschäftigung Reiten unseren Kindern überhaupt gefällt. Allgemein bei Reitbekleidung gilt: sie sollte möglichst sicher und gleichzeitig bequem und dazu im Sommer nicht zu dick und im Winter bloß nicht zu dünn sein.

Aber wie erscheine ich zur ersten Reitstunde? Im Winter und an kälteren Tagen erklärt sich vieles schon von selbst, aber auch an wärmeren Tagen ist das Um und Auf eine lange Hose und feste Schuhe zu tragen. Am besten eignet sich für den Anfang eine stärkere Leggings oder eine eng anliegende lange Hose. Selbstverständlich kann man auch mit Jeans oder einer Jogginghose reiten, jedoch sind diese wegen der oft sehr dicken Nähte an der Innenseite der Beine nicht so bequem und drücken beim Reiten.

Weiteres sind feste Schuhe ein MUSS. Oft gehört es in den Reitbetrieben dazu, dass die ReiterInnen ihr Lehrpferd selber von der Koppel holen, putzen und satteln – natürlich mit Hilfe und unter Aufsicht des Reitlehrers. Es kann schlimm ausgehen wenn ein Pferd dem Reitschüler auf die Füße tritt wenn dieser kein gutes Schuhwerk trägt. Weil: auch mit guten Schuhen kann ein Pferdehuf am Fuß sehr schmerzhaft sein. Am besten eignen sich für den Anfang etwas höhere Schuhe zum Schnüren (Wanderschuhe). Wichtig ist auch, dass die Laschen nicht herausstehen – hier kann es passieren dass man im Steigbügel hängen bleibt und im Fall eines Sturzes nicht rechtzeitig aus den Steigbügeln kommt. Dasselbe gilt für den Klettverschluss.
Der Helm
Das wichtigste für die Sicherheit unserer Kinder ist der REITHELM! In jeder guten Reitschule sollte die Helmpflicht für ALLE Reiter oberstes Gebot sein und es sollten immer genug passende Reithelme zur Verfügung stehen, die man anfangs ausleihen kann. Später, wenn sich das Kind/der Reiter dann entschieden hat, diesen Sport länger und intensiver zu betreiben, empfehle ich als erstes einen gut sitzenden und gut passenden Helm zu kaufen. Beim Kauf das Kind unbedingt mitnehmen und probieren lassen. Nicht alle Kopfformen sind gleich und da drückt schon der eine oder andere Helm. Der Reithelm sollte leicht und sicher zu verschließen sein. Vor allem bei verstellbaren Helmen sollte dringend drauf geachtet werden, dass der verstellbare Teil vorne im Bereich der Stirn nicht aus dem Helm herausragt, sondern sicher im Helm angebracht ist. Leider sehe ich diesen Produktionsfehler immer öfter.
Reithose und Reitschuhe/Stiefel
Der nächste Schritt wären dann gute Reitschuhe und eine Reithose. Die richtige Reithose sollte allerdings möglichst bald gekauft werden – sie gibt den sicheren und rutschfesten Halt im Sattel und schützt den Reiter vor schmerzhaften Reibungen. Je nach Geschmack kann man sich für Stiefelreithosen oder Jodhpurhosen entscheiden und ob man lieber Stiefel oder Stiefeletten trägt. Bei Jodhpurhosen genügen Stiefeletten, bei den normalen Stiefelreithosen sollte man zusätzlich zu den Stiefeletten oder Reitschuhen allerdings Chaps verwenden, damit man auch hier nirgends hängen bleibt.
Protektor – Schutzweste
Hier stellt sich die Frage, wie wichtig ein Reitprotektor (die Schutzweste) ist, da diese oft sehr teuer sind. Die meisten Reitställe haben Protektoren zum Ausleihen und jeder sollte selbst entscheiden können, ob er einen tragen möchte oder nicht. Viele Reitprotektoren sind so unbequem und groß, dass sie nicht gerne getragen werden. Auch ist die Beweglichkeit der Reiter durch teilweise sperrige Modelle leider oft sehr eingeschränkt. Hierbei lohnt sich die Anschaffung eines hochwertigen Modells, das flexibel genug ist, dem Reiter gleichzeitig Bewegungsfreiheit zu gewähren und trotzdem vor Verletzungen schützt. Meist sind diese Schutzwesten auch für andere Sportarten (Schifahren, Radfahren, etc.) geeignet. Und jedem, dem die Sicherheit seines Kindes am Herzen liegt, sollte sich dafür entscheiden, auch in diese zu investieren. Spätestens dann bei den ersten Reiterprüfungen (Kleines und Großes Hufeisen, Reiterpass, Reiternadel) ist in Österreich das Tragen von Schutzwesten vorgeschrieben!
Reithandschuhe
Handschuhe sind ein sehr umstrittenes Thema bei uns am Hof. Vor allem im Sommer sind sie den Reitern oft zu warm und werden daher nicht gerne verwendet. Auf meinem Hof sind Handschuhe keine Pflicht, allerdings kann ein Zügel oder Führstrick, der durch die Hand gezogen wird, sehr schmerzhaft sein. Auch ist die Haut an den Händen oft sehr dünn, dass man Blasen oder offene Stellen bekommt. Ich empfehle jedem Reiter Handschuhe zu tragen. Hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass die etwas teureren doch länger halten und auch bequemer sind. Und wenn wir ehrlich sind – es gibt schon so dünne Reithandschuhe, die anliegen wie eine zweite Haut und die auch im Sommer kaum zu spüren sind.
Gerte
Nun fehlt eigentlich nur noch die Gerte, die - richtig eingesetzt - eine Hilfe ist, um das Pferd auf die Hinterhand zu treiben. Bei der Auswahl der Gerte sollte man keine zu kurze Gerte nehmen, da man diese meistens nicht korrekt einsetzen kann. Ich habe einige Kinder, die mit kurzen Springgerten zu mir kommen, weil diese besonders schön sind oder toll glitzern. Aber mit so einer kurzen Gerte kann man nicht richtig, d.h. mit korrekter Zügelführung auf das Pferd einwirken. Bei zu kurzen Gerten wird oft der Zügel losgelassen, oder es wird mit der Hand plötzlich unkontrolliert grob nach hinten gerissen, was das Pferd sehr im Maul stört. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Gerte mit 100 cm Länge die beste Wahl ist. Eine Gerte sollte auch, vor allem für Kinder, nicht zu schwer sein.

So, und jetzt ab aufs Pferd. Viel Spaß und Freude bei eurer nächsten Reitstunde!

Alles Liebe,

Eure Birgit Köck vom Isländerhof Köck